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Warum ist Gotteslästerung eigentlich geschützt?
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Fritz
2020-07-29 08:09:45 UTC
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Die Bischöfe lassen über ihre offizielle Seite einen Religionskritiker aus Heidenheim unkritisch zum Thema Blasphemieparagraf zu Wort kommen, ohne dem geneigten Leser eine seriöse Einordnung zu ermöglichen. Dabei gelingt es ihnen sogar, eine sexistische Komponente in die Debatte einzubringen. Die verkürzte Darstellung endet lediglich mit dem Hinweis, dass die Debatte weitergehen dürfte.

Warum also ist Gotteslästerung geschützt?

Der Staat des Grundgesetzes fühlt sich vor Gott verantwortlich, von dem sich alle Werte des Grundgesetzes ableiten: die Menschenwürde, die Rechte auf Leben, geistige und körperliche Unversehrtheit, Freiheit und Eigentum des Einzelnen. Die Art der Gottesverehrung steht dem Einzelnen und seiner Glaubensgemeinschaft gemäß Religionsfreiheit nach eigenem Ermessen zu. Alle Freiheiten finden ihre Grenze in den Freiheiten anderer. Der dem Gemeinwohl verpflichtete Staat versucht durch Ausbalancieren der Interessen, den öffentlichen Frieden zu sichern. Daher stellt Schutz geistige Werte und materielle Güter unter seinen besonderen Schutz. Das Strafrecht dient der Abwehr und dem Ausgleich von Schäden jeglicher Art: Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole ( § 90a StGB ), Blasphemie ( § 166 StGB ), Beleidigung, Üble Nachrede, Verleumdung ( §§ 185-189 StGB ). Dabei wird deutlich, dass das Strafmaß für Verunglimpfung des Staates und religiöser Bekenntnisse gleich hoch angesetzt ist. Der Gesetzgeber macht damit deutlich, dass er jede Form von politischem und religiösem/religionskritischem Extremismus abwehren will.

Während eine rechtshistorische Betrachtung die Konstante des Grundgedankens der Strafbarkeit von Gotteslästerung verständlich macht, wirft sie nicht weniger Licht auf den Wandel in der Reflektion der Verhältnismäßigkeit der Strafe. Nicht unerwähnt bleiben dürfen Auswirkungen von Blasphemie auf Gewalteruptionen in den 2010-er Jahren. So schrecklich die Folgen auch waren, so sehr haben sie die Notwendigkeit des strafrechtlichen Schutzes vor Gotteslästerung bestätigt.

Damit sind auch die Grenzen von Kunstfreiheit und Religionskritik aufgezeichnet. Üble Nachrede kann nicht mit Ironie oder Humor gerechtfertigt werden. Praktische Beispiele für den Unterschied zwischen Kunst und Trash sind die Beiträge von Jürgen Becker "Ich bin so froh, dass ich nicht evangelisch bin..." ( ein subtiler klerikaler Witz über die katholische Bigotterie ) und ebenso form- wie humorlosen sexistischen Unterstellungen einer Carolin Negerkuss.
F. W.
2020-07-29 09:32:25 UTC
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Post by Fritz
Warum also ist Gotteslästerung geschützt?
Tja, warum zieht kein Staat dieses Planeten die Kirchensteuer ein, außer
Deutschland? Warum kann man elektronisch umziehen, bauen, ein Auto
anmelden - aber nicht aus der Kirche austreten?

Nun ja, Adenauer war streng katholisch. Das hatte Folgen.

Gut, dass er kein Muslim war...

FW
Fritz
2020-07-29 09:52:09 UTC
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Post by F. W.
Post by Fritz
Warum also ist Gotteslästerung geschützt?
Tja, warum zieht kein Staat dieses Planeten die Kirchensteuer ein, außer
Deutschland? Warum kann man elektronisch umziehen, bauen, ein Auto
anmelden - aber nicht aus der Kirche austreten?
Nun ja, Adenauer war streng katholisch. Das hatte Folgen.
Gut, dass er kein Muslim war...
Weil Deutschland daran verdient und manche andere Staaten diese Möglichkeit noch nicht in Betracht gezogen haben. Und warum setzt man aktuelle mit grundsätzlichen Fragen nicht gleich? Da sind zumindest Katholiken offenbar rationaler als andere.

Wer sich die Adenauer-Koalitionen anschaut, weiß, dass es damals offenbar noch einen Grundwertekonsens gab.
Post by F. W.
FW
F. W.
2020-07-29 10:24:05 UTC
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Post by Fritz
Post by F. W.
Post by Fritz
Warum also ist Gotteslästerung geschützt?
Tja, warum zieht kein Staat dieses Planeten die Kirchensteuer ein,
außer Deutschland? Warum kann man elektronisch umziehen, bauen,
ein Auto anmelden - aber nicht aus der Kirche austreten?
Nun ja, Adenauer war streng katholisch. Das hatte Folgen.
Gut, dass er kein Muslim war...
Weil Deutschland daran verdient und manche andere Staaten diese
Möglichkeit noch nicht in Betracht gezogen haben.
Ah, die sind alle blöder als wir...verstehe.
Post by Fritz
Und warum setzt man aktuelle mit grundsätzlichen Fragen nicht gleich?
Da sind zumindest Katholiken offenbar rationaler als andere.
Welche Fragen denn?
Post by Fritz
Wer sich die Adenauer-Koalitionen anschaut, weiß, dass es damals
offenbar noch einen Grundwertekonsens gab.
Ja, die Meinungsführerschaft der Kirchen besorgte belästigte Messdiener,
prügelnde Chorleiter und exorzierende Priester. Ist bekannt.

Fw
Siegfrid Breuer
2020-07-29 12:50:00 UTC
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Post by F. W.
Post by Fritz
Weil Deutschland daran verdient und manche andere Staaten diese
Möglichkeit noch nicht in Betracht gezogen haben.
Ah, die sind alle blöder als wir...verstehe.
Zumindest haben die nicht ein in der Mehrheit derart bloedes Volk,
wie unsere kriminellen Machthaber sich das mit Hilfe von Medien,
fruehester Indoktrinierung ab Stubenreinheit und nahtlos folgender
Dummschulung generieren konnten.
--
Post by F. W.
(PATSCH-an-die-Stirn-klatsch) - richtig, das hatte ich glatt vergessen.
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
[Ottmar Ohlemacher in <1osceep3uovn$***@40tude.net>]
-> das Wahrheitsministerium raet: <http://www.hinterfotz.de/boese.html> <-
und immer nur ARD+ZDF gucken:

F. W.
2020-07-30 06:58:15 UTC
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Post by Siegfrid Breuer
Post by F. W.
Post by Fritz
Weil Deutschland daran verdient und manche andere Staaten diese
Möglichkeit noch nicht in Betracht gezogen haben.
Ah, die sind alle blöder als wir...verstehe.
Zumindest haben die nicht ein in der Mehrheit derart bloedes Volk,
wie unsere kriminellen Machthaber sich das mit Hilfe von Medien,
fruehester Indoktrinierung ab Stubenreinheit und nahtlos folgender
Dummschulung generieren konnten.
Na, dafür haben wir ja Dich ;-)

FW

Fritz
2020-07-29 10:12:59 UTC
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Bei aller prinzipiellen Klarheit des katholischen Glaubens darf man allerdings in Verkündigung und Realität der Kirche Glaubens- und Sittenverfall nicht übersehen.

Glaubens- und Sittenverfall bedeutet nicht die Abkehr von einem offenbarungs- und traditionswidrigen und damit geistlosen Buchstabenglauben, sondern der Rückfall in Polytheismus oder christlich kaschierte Idolatrie oder theologisch verbrämten Nihilismus und entsprechende gnadentheologisch verkleisterte Amoralität mit Folgen sexuellen Fehlverhaltens von verheirateten und unverheirateten Gläubigen und Priestern.

Um die Realitäten von Heiligkeit und Sünde angemessen zu beurteilen, bedarf es der Charismen der geistlichen Differezierung und der Sprachverfertigkeiten ( vgl. 1Kor 12,10 ).

Jeder Christ ist damit in Christus zum Religionskritiker berufen, nicht als Kritiker der Religion, sondern als Kritiker von religiösem Fehlverhalten und Bigotterie. Vor allem aber soll er seine eigene Religion beurteilen, sein eigenes Reden und Handeln: Wie gehe ich mit dem Ersten Gebot um? Wie verehre ich Gott durch mein Reden und heilige den Namen des Vaters? Wie gehe ich mit dem Zweiten Gebot um? Gestehe ich auch dem Verb seine ehrliche Suche nach Wahrheit zu? Sehe ich den guten Willen bei "christlich-mystizierenden" Verben oder unterstelle ich ihnen grundlos Böses? Bin ich selbst bigott oder überheblich?
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