Discussion:
Religion und Verschwörung
(zu alt für eine Antwort)
Fritz
2021-01-13 13:51:23 UTC
Permalink
An der Universität Münster ist eine aktuelle Arbeit zu Religion und Verschwörung erschienen. Im ursprünglichen Sinn ist die Kirche eine verschworene Gemeinschaft. Immerhin geloben Kleriker und Religionslehrer dem Bischof Treue in Fragen der Lebensführung oder immerhin der Glaubensunterweisung. Tatsächlich gibt es auch in der Kirche Gemeinschaften, die sich zusätzlich noch mit dem Nimbus der geheimen Bruderschaft umgeben. Dabei kommen wir zur Verschwörung im engeren Sinn. Auch außerhalb gibt es Gemeinschaften, die sich unauffällig nach außen gegenseitig Hilfe leisten. Auch dabei kann man von Verschwörung sprechen. Im aktuellen Zusammenhang geht es um Verschwörung in einem dritten negativen Sinn: Eine geheime Zusammenarbeit mehrerer Personen zum Nachteil Dritter. Verdeckt operierende kriminelle Organisationen gehören zu diesem Typ. Mafiastrukturen, aber auch Terrorzellen werden dazu gezählt. Verschwörung ist deshalb nichts ein Faktum. Auch ist Satanismus eine reale Sektenerscheinung. Die Geheimhaltung fördert die Mythenbildung. Diese Mythen beruhen im Wesentlichen nicht auf geheimdienstlicher Ermittlung. Sie sind phantasievolle Konstrukte aus durchaus realen Versatzstücken. Sie schüren Angst vor allem bei irrationalen Menschen.

Religionen als prinzipiell rationales Weltbild in tradierten Erzählmustern, Bräuchen und Riten ordnen auch thematisch begrenzte wissenschaftliche Modelle ein und geben darüber hinaus gebildeten und ungebildeten Menschen einen Orientierungsrahmen zur Deutung von Lebenszusammenhängen. Durch Seelsorge stabilisieren sie Religionen irrationale Menschen, machen Hoffnung, spenden Trost, machen Mut, dämpfen Überschwang. Wie gut Religionen dazu beitragen, ist von Zeit und Ort abhängig. Konkret kann gelebte Religion auch gegenteilig erfahren werden.

Die allgemeinen sittlichen Normen von Religion - etwa in Form des Doppelgebotes - gelten auch für den Bereich der Wissenschaft. Insofern ist Wissenschaft der Religion untergeordnet. Auch sind die wissenschaftlichen Modelle offen für neue Erkenntnisse und Modifikationen. Sie ersetzen die tradierten Erzählmuster nicht, sondern stellen sie ins richtige Licht. Wissenschaft ist eben keine Weltanschauung.

Dass im Bereich von Sekten ähnlichen Gruppierungen laut Studie anscheinend irrationale Verschwörungstheorien leichter übernommen werden, überrascht gebildete Menschen nicht und bestätigt deren Eindruck, dass irrationale Menschen eher bereit sind, irrationale Information aufzugreifen, wenn sie sich als Ausdruck für die eigene Gefühlslage oder zur ideologischen Instrumentalisierung eignet.

Dass Katholiken kaum an böse Mächte glauben, ist allerdings ebenfalls eine Art von Mythenbildung. Da "glauben an" mit "vertrauen auf" gleichzusetzen ist, sollte es selbstverständlich sein, dass Katholiken nicht an böse Mächte glauben. Das entspricht daher nicht dem Glaubensbekenntnis. Allerdings wissen Katholiken um dämonische Mächte, wie sich etwa in Form von organisierter Kriminalität, Extremismus und damit auch Terrorismus äußern. Sie glauben schon, dass alles Böse und damit auch Satanismus vom Teufel ist. Die Zurückhaltung von Angehörigen staatlich anerkannten Kirchen gegenüber Verschwörungsmythen bringt vor allem den Konsens mit dem geistlichen Mainstream zum Ausdruck, der diesen Informationen geringe Bedeutung beimisst und die Beschäftigung damit eher Experten überlässt. Die Studien bestätigt daher Katholiken aktuell eher positives Denken.
Helmut Wabnig
2021-01-13 17:16:06 UTC
Permalink
On Wed, 13 Jan 2021 05:51:23 -0800 (PST), Fritz
Post by Fritz
An der Universität Münster ist eine aktuelle Arbeit zu Religion und Verschwörung erschienen. Im ursprünglichen Sinn ist die Kirche eine verschworene Gemeinschaft. Immerhin geloben Kleriker und Religionslehrer dem Bischof Treue in Fragen der Lebensführung oder immerhin der Glaubensunterweisung. Tatsächlich gibt es auch in der Kirche Gemeinschaften, die sich zusätzlich noch mit dem Nimbus der geheimen Bruderschaft umgeben. Dabei kommen wir zur Verschwörung im engeren Sinn. Auch außerhalb gibt es Gemeinschaften, die sich unauffällig nach außen gegenseitig Hilfe leisten. Auch dabei kann man von Verschwörung sprechen. Im aktuellen Zusammenhang geht es um Verschwörung in einem dritten negativen Sinn: Eine geheime Zusammenarbeit mehrerer Personen zum Nachteil Dritter. Verdeckt operierende kriminelle Organisationen gehören zu diesem Typ. Mafiastrukturen, aber auch Terrorzellen werden dazu gezählt. Verschwörung ist deshalb nichts ein Faktum. Auch ist Satanismus eine reale Sektenerscheinung.
Die Geheimhaltung fördert die Mythenbildung. Diese Mythen beruhen im Wesentlichen nicht auf geheimdienstlicher Ermittlung. Sie sind phantasievolle Konstrukte aus durchaus realen Versatzstücken. Sie schüren Angst vor allem bei irrationalen Menschen.
Religionen als prinzipiell rationales Weltbild in tradierten Erzählmustern, Bräuchen und Riten ordnen auch thematisch begrenzte wissenschaftliche Modelle ein und geben darüber hinaus gebildeten und ungebildeten Menschen einen Orientierungsrahmen zur Deutung von Lebenszusammenhängen. Durch Seelsorge stabilisieren sie Religionen irrationale Menschen, machen Hoffnung, spenden Trost, machen Mut, dämpfen Überschwang. Wie gut Religionen dazu beitragen, ist von Zeit und Ort abhängig. Konkret kann gelebte Religion auch gegenteilig erfahren werden.
Die allgemeinen sittlichen Normen von Religion - etwa in Form des Doppelgebotes - gelten auch für den Bereich der Wissenschaft. Insofern ist Wissenschaft der Religion untergeordnet. Auch sind die wissenschaftlichen Modelle offen für neue Erkenntnisse und Modifikationen. Sie ersetzen die tradierten Erzählmuster nicht, sondern stellen sie ins richtige Licht. Wissenschaft ist eben keine Weltanschauung.
Dass im Bereich von Sekten ähnlichen Gruppierungen laut Studie anscheinend irrationale Verschwörungstheorien leichter übernommen werden, überrascht gebildete Menschen nicht und bestätigt deren Eindruck, dass irrationale Menschen eher bereit sind, irrationale Information aufzugreifen, wenn sie sich als Ausdruck für die eigene Gefühlslage oder zur ideologischen Instrumentalisierung eignet.
Dass Katholiken kaum an böse Mächte glauben, ist allerdings ebenfalls eine Art von Mythenbildung. Da "glauben an" mit "vertrauen auf" gleichzusetzen ist, sollte es selbstverständlich sein, dass Katholiken nicht an böse Mächte glauben. Das entspricht daher nicht dem Glaubensbekenntnis. Allerdings wissen Katholiken um dämonische Mächte, wie sich etwa in Form von organisierter Kriminalität, Extremismus und damit auch Terrorismus äußern. Sie glauben schon, dass alles Böse und damit auch Satanismus vom Teufel ist. Die Zurückhaltung von Angehörigen staatlich anerkannten Kirchen gegenüber Verschwörungsmythen bringt vor allem den Konsens mit dem geistlichen Mainstream zum Ausdruck, der diesen Informationen geringe Bedeutung beimisst und die Beschäftigung damit eher Experten überlässt. Die Studien bestätigt daher Katholiken aktuell eher positives Denken.
Jetz grabens grad in Irland aus was für Verbrecher die da sind.
Du weißt schon, wer.
Ähnliche Geschichten aus Spanien sind schon länger bekannt.

Also ich spende nix mehr in denen ihren Klingelbeutel.


w.

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