Discussion:
Nationalstolz
(zu alt für eine Antwort)
Ralf Ohlendorf
2003-08-05 12:20:52 UTC
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Ein Zitat aus einem Buch, das ich gerade lese und das mir wie
geschaffen/geschrieben für diese NG zu sein scheint:

"Nationalstolz im alten Sinne ist längst überholt. Er hat nur Schaden
angerichtet. Aber immer noch verknüpft sich der Stolz, >Deutscher zu
sein< mit Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus. Dummheit und Stolz
wachsen aus einem Holz, sagt das Sprichwort, und die Forschung ist
tatsächlich zu dem Ergebnis gekommen, dass ein unkritischer
Nationalstolz und niedriger Bildungsstand immer einhergehen.
In fast allen EG-Staaten identifizieren sich vor allem solche
Personen überdurchschnittlich mit nationalen Symbolen, die sich
ideologisch rechts einstufen, eine starke religiöse Bindung sowie
materialistische Wertorientierung aufweisen. Demnach ist das
Nationalbewußtsein relativ fest in ein konservatives Weltbild
eingefügt. Ausser in elgien, wo der Nationalstolz mit dem
Bildungsniveau steigt, ist in allen EG-Staaten die entgegengesetzte
Konstellation zu beobachten. Besonders eng hängen die
nationalstaatlichen Identifikationen der Briten, Spanier, der
Bundesbürger und Griechen mit traditionellen Werten sowie einer
niedrigen formalen Schulbildung zusammen.<<"

Zitiert aus "Deutschland auf Bewährung" von Ulrich Wickert (mit zit.
Oskar W.Gabriel)

A posteriori nur zustimmungswürdig.

Gruß, Ralf
--
"Wir haben Bilder von Kanälen und Wasser auf
dem Mars gesehen. Wenn es Wasser gibt, dann
gibt es Sauerstoff. Und wenn es Sauerstoff gibt,
können wir atmen." - George W. Bu$h
Peer J. Knoerich
2003-08-05 18:32:42 UTC
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Post by Ralf Ohlendorf
Ein Zitat aus einem Buch, das ich gerade lese und das mir wie
Dummheit und Stolz
wachsen aus einem Holz, sagt das Sprichwort, und die Forschung ist
tatsächlich zu dem Ergebnis gekommen, dass ein unkritischer
Nationalstolz und niedriger Bildungsstand immer einhergehen.
nachdem ja der bildungsgrad über die jahrzehnte gewaltig gestiegen ist,
kann es ja so schlimm nicht sein.

grüße

peer
Mathias Donien
2003-08-05 18:47:46 UTC
Permalink
Post by Ralf Ohlendorf
"Nationalstolz im alten Sinne ist längst überholt. Er hat nur Schaden
angerichtet. ..."
Falsch.
Man muss genau unterscheiden zwischen Nationalismus und Chauvinismus.
Da liegen Welten dazwischen.
--
If we believe absurd, we will do terrible. Voltaire (1694-1778)
http://www.rsf.org/predators.php3 Predators of Press Freedom
http://www.fair.org/ Fairness & Accuracy In Reporting
http://www.honestreporting.com/ Media Critiques
M.Gorn
2003-08-06 10:24:26 UTC
Permalink
"Ralf Ohlendorf" <***@web.de> schrieb im Newsbeitrag news:bgo7fd$f0m$06$***@news.t-online.com...
[...]
Post by Ralf Ohlendorf
"Nationalstolz im alten Sinne ist längst überholt. Er hat nur Schaden
angerichtet.
Ach ja? Dummlall! Sowas könnte man auch über die Weiber texten:

Nach Entdeckung der transgender Personen ist Weiblichkeit längst überholt.
Sie hat nur Schaden angerichtet. Schlisslich haben Frau Stalin, Lenin, Marx
ihre Söhne auf die Welt gebracht/ erzogen.


Dummheit und Weiblichkeit
wachsen aus einem Holz, sagt das Sprichwort, und die Forschung ist
tatsächlich zu dem Ergebnis gekommen, dass eine unkritische Weiblichkeit und
niedriger Bildungsstand immer einhergehen. usw...

Stolz ist ein positives Gefühl. Das hat mit Dummheit oder Hass recht wenig
zu tun. Ausserdem liegt es in der Natur des Menschen gemeinschaftlich zu
denken/leben.

Martin
Peter A. Meier
2003-08-06 11:11:31 UTC
Permalink
Post by M.Gorn
Dummlall!
q.e.d.

MfG
pam
--
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I am a signature virus. Distribute me until the bitter
end
Peter A. Meier
2003-08-06 16:20:21 UTC
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["Deutschland auf Bewährung"]
Post by Peter A. Meier
Dummlall! (Ralfis Text)
q.e.d.
Schön, dass Du meine Meinung teilst!
Lern lesen.

MfG
pam
--
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Peter A. Meier
2003-08-07 09:35:39 UTC
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[Hirnschiss]
Post by Peter A. Meier
Lern lesen.
Probieres mal mit *denken*!
Erst, wenn Du es mal vormachst.

MfG
pam
--
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end
Ralf Ohlendorf
2003-08-06 13:10:17 UTC
Permalink
Post by M.Gorn
Post by Ralf Ohlendorf
"Nationalstolz im alten Sinne ist längst überholt. Er hat nur Schaden
angerichtet.
Nach Entdeckung der transgender Personen ist Weiblichkeit längst
überholt. Sie hat nur Schaden angerichtet. Schlisslich haben Frau
Stalin, Lenin, Marx ihre Söhne auf die Welt gebracht/ erzogen.
Dummheit und Weiblichkeit
wachsen aus einem Holz, sagt das Sprichwort, und die Forschung ist
tatsächlich zu dem Ergebnis gekommen, dass eine unkritische
Weiblichkeit und niedriger Bildungsstand immer einhergehen. usw...
Stolz ist ein positives Gefühl. Das hat mit Dummheit oder Hass recht
wenig zu tun.
Heida Görnchen, ist da deine zarte Kameradenseele verletzt? Was du da
machst, ist aber nicht fair, weil du das mit allem machen kannst:
"Stolz ist ein weibliches Gefühl. Das hat mit Intelligenz oder Sinn
recht wenig zu tun..." Also?
Definier mir mal "deutschen Nationalstolz". Was hat mir diese "Nation",
dieses "Land", wenn wir so wollen, denn nach dem Disaster des letzten
Krieges zu bieten, worauf sich mein Stolz in seiner Gesamtheit beziehen
könnte? Deutsches Bier? Deutsche Landschaften? Deutsches
Kleingärtnerdenken? Deutsche Kriecherpolitik? Oder etwa die vielgelobte
deutsche Rechtschaffenheit und Hang zur Ordentlichkeit - Perfektion -
Qualität? Deutsche Hohlkopfglatzen, die aus dem letzten Jahrhundert
immer noch nix gelernt haben, immer noch auf Menschen anderer
Denkweise, Hautfarbe und/oder Religion Jagd machen und auf ewig
unrettbar doof bleiben wollen?
Worauf, bitte, soll ich als Deutscher stolz sein??
Wenn du, als vermeintlich nationalstolziger Bildungshochständler, mir
eine annehmbar intelligente Antwort auf diese Frage/n geben kannst,
dann wäre ich unter Umständen bereit, meine Position zu überdenken...
Nur dann.
Zuerst ist man Mensch. Dann, - aus Zufall (und in meinem Fall leider),
Deutscher... Und nicht erst Deutscher und aufgrund der sich daraus
vermeintlich ergebenden "Qualitäten" Mensch! Darin stimmst du mir doch
wohl zu, oder?!?

Gruß, Ralf
M.Gorn
2003-08-06 18:36:47 UTC
Permalink
"Ralf Ohlendorf" <***@web.de> schrieb im Newsbeitrag news:bgquo4$t18$06$***@news.t-online.com...
[...]
Post by Ralf Ohlendorf
Heida Görnchen, ist da deine zarte Kameradenseele verletzt? Was du da
Na eben! Das klappt auch mit Ehre, Liebe, Anstand!
[...]
Post by Ralf Ohlendorf
Definier mir mal "deutschen Nationalstolz".
Das sollte der kleinste gemeinsame Nenner der Menschen unseres Volkes sein,
ein Zusammenhörigkeitsgefühl der gegenseitigen Achtung u. Wertschätzung.

[...]
Post by Ralf Ohlendorf
Worauf, bitte, soll ich als Deutscher stolz sein??
Das bleibt Dir überlassen...im Gegenzug solltest Du mir allerdings auch
wirklich gute Gründe liefern, die für mich (und nicht für meinen Opa) gegen
eine solche Identifikation sprechen...

[...]
Post by Ralf Ohlendorf
Zuerst ist man Mensch. Dann, - aus Zufall (und in meinem Fall leider),
Deutscher... Und nicht erst Deutscher und aufgrund der sich daraus
vermeintlich ergebenden "Qualitäten" Mensch! Darin stimmst du mir doch
wohl zu, oder?!?
Warum tust Du Dich so schwer? Zu allererst bist Du ein Mensch, der Eltern
hat. Eben eine Familie. Vielleicht sogar eine Grossfamilie in einer
bestimmten Region. Sowas nennt man Sozialisation. Die prägt. Wir als
Deutsche teilen diese in der Regel (Sprache, Schrift, Kultur, Ideale,
Vorstellungen, etc....)

Grüße Martin
Ralf Ohlendorf
2003-08-07 07:00:59 UTC
Permalink
Post by M.Gorn
Post by Ralf Ohlendorf
Definier mir mal "deutschen Nationalstolz".
Das sollte der kleinste gemeinsame Nenner der Menschen unseres Volkes
sein, ein Zusammenhörigkeitsgefühl der gegenseitigen Achtung u.
Wertschätzung.
*LOL* - Entschuldige... deine Antwort ist zwar bemerkenswert gut, aber
die Betonung liegt ja ganz offensichtlich auf "sollte"! Diesen
kleinsten gemeinsamen Nenner gibt es speziell in D nämlich nicht, weder
Zusammengehörigkeit(sgefühl) - das am allerwenigsten - noch
gegenseitige Achtung oder Wertschätzung.
Und was ist: "unser Volk"? Was ist das? Zählst du da den Schwarzen, den
ich letzte Woche noch in der Uniform der Bundeswehr als Angehöriger
derselben gesehen habe, bedingungslos dazu? Oder den Türken, der in
Frankfurt/Main geboren wurde und den deutschen Paß besitzt? Oder all
die Polen und Hinterrussen, die einen deutschen Paß besitzen? Den
Spießer aus dem Strebergarten mit der Bierflasche in der einen und der
Bild-Zeitung in der anderen Hand, im Rippchen-Unterhemd aus 1959,
fettbäuchig, im Plastiklehnstuhl sitzend, unrasiert, die Frau
scheuchend, schwitzend und seines zeichens Fußballbundestrainer,
Bundeskanzler, Finanzminister und Oberster Richter in Karlsruhe in
einem? Can be continued...
Post by M.Gorn
Post by Ralf Ohlendorf
Worauf, bitte, soll ich als Deutscher stolz sein??
Das bleibt Dir überlassen...im Gegenzug solltest Du mir allerdings
auch wirklich gute Gründe liefern, die für mich (und nicht für meinen
Opa) gegen eine solche Identifikation sprechen...
1.) Mit "das bleibt dir überlassen" zeigst du, dass dir selbst nichts
einfällt. Dann frag ich anders: worauf, bitte, bist du als Deutscher
denn stolz? Warum bist du stolz, Deutscher zu sein?

2.) Gegenzug: ich zitiere nochmals Friedrich Nietzsche: ...als Volk der
Mitte in jedem Verstande, sind die Deutschen unfaßbarer, umfänglicher,
widerspruchsvoller, unbekannter, unberechenbarer, überrashcender,
selbst erschrecklicher, als es andere Völker sich selber sind - sie
entschlüpfen der Definition..."
Deutschlands Kultur hat 1933 aufgehört, sich weiter zu entwickeln. Das
Land der Dichter und Denker, das Land der "Mitte in jedem Verstande"
hat seine "Identität verloren und seine Gesellschaft besteht aus Prolls
(siehe z.B. Matthias Donien), Möchte-gerns (siehe z.B. L.E. Brust),
Weicheiern, Kriechern und Nachläufern (siehe Wutzl), aus 80 Millionen
Super-Spezialisten, einer besser als der andere, - aus Ossis und Wessis
schon seit 13 Jahren und auch noch in 13 Jahren, aus Möllemanns und
Friedmans... usw.
Ich als Deutscher kann mich nur definieren a) entweder durch mich
selbst, - und als solcher bin ich deutscher Weltenbürger, um mit
Schiller zu reden; oder b) durch Hinzuziehung und Identifikation mit
meiner Umgebung. Aber da ist nichts, mit dem ich mich identifizieren
kann...
Und wenn es so etwas wie einen gemeinsamen Nenner im "deutschen Volk"
gibt, dann ist es seine Widerwärtigkeit, sein Poppanz um Nichts, seine
Bürokratie und Reglementierungswahn als typisch deutsche Eigenschaften.
Damit soll ich mich identifizieren? Da bin ich entweder gnadenlos dumm
oder der typische Mann'sche Untertan (du weißt sicher: nach unten
treten, nach oben buckeln...)
Can be continued...
Post by M.Gorn
Post by Ralf Ohlendorf
Zuerst ist man Mensch. Dann, - aus Zufall (und in meinem Fall
leider), Deutscher... Und nicht erst Deutscher und aufgrund der sich
daraus vermeintlich ergebenden "Qualitäten" Mensch! Darin stimmst du
mir doch wohl zu, oder?!?
Warum tust Du Dich so schwer? Zu allererst bist Du ein Mensch, der
Eltern hat. Eben eine Familie. Vielleicht sogar eine Grossfamilie in
einer bestimmten Region. Sowas nennt man Sozialisation. Die prägt.
Wir als Deutsche teilen diese in der Regel (Sprache, Schrift, Kultur,
Ideale, Vorstellungen, etc....)
Du wiederholst was ich sagte in vielmehr Worten. Goethe schrieb einmal
an Schiller: "Entschuldigen Sie, dass mein Brief so lang wurde. Aber
ich hatte keine Zeit für einen kürzeren..." Hattest du keine Zeit?
Im übrigen bleibt zu beanstanden: "Sowas nennt man Sozialisation. Die
prägt. Wir als Deutsche teilen diese in der Regel..." Das ist weltfremd
und höchstens marxistisch elitäre Traumvorstellung. Erläuterung ergibt
sich bei genauerem Überdenken automatisch...

Gruß, Ralf
Calimero
2003-08-07 18:18:45 UTC
Permalink
......... ich zitiere nochmals Friedrich Nietzsche: .....
Ui ...
- und als solcher bin ich deutscher Weltenbürger, um mit
Schiller zu reden; ...
Boah ey!
Goethe schrieb einmal
an Schiller: "Entschuldigen Sie .....
Sapradi!
Das Land der Dichter und Denker, das Land der "Mitte in jedem Verstande"
hat seine "Identität verloren und seine Gesellschaft besteht aus Prolls
(siehe z.B. Matthias Donien), Möchte-gerns (siehe z.B. L.E. Brust),
Weicheiern, Kriechern und Nachläufern (siehe Wutzl), ...
.... und manierierten Möchtegernbildungsbürgern (siehe Ohlendorf) ....
Gruß, Ralf
Gruß, Max "Arnie" Eberl


--
"Hasta la vista, baby!"
(Arnold Schwarzenegger, California Governor)
Ralf Ohlendorf
2003-08-08 19:01:31 UTC
Permalink
Post by Calimero
Ui ...
Boah ey!
Sapradi!
Stringent argumentierender Spitzenjurist...
MfG
pam
*LOL* und ACK...

Ich wollt's auch schon so ähnlich schreiben, aber auf das Wutzl reagier
ich nur in absoluten Notfällen...

Gruß, Ralf

Lars Bräsicke
2003-08-06 18:22:42 UTC
Permalink
Post by Ralf Ohlendorf
Dummheit und Stolz
wachsen aus einem Holz, sagt das Sprichwort, und die Forschung ist
tatsächlich zu dem Ergebnis gekommen, dass ein unkritischer
Nationalstolz und niedriger Bildungsstand immer einhergehen.
Die Betonung liegt auf dem Wort "unkritisch".
Stolz ist kein Gedanke, den ich willkürlich fasse, sondern ein Gefühl.
Gefühle kann man allerdings schwerlich kontrollieren, allenfalls pflegen
oder unterdrücken.
Stolz auf alles andere als die eigenen Leistungen erscheint objektiv
betrachtet nicht sonderlich sinnvoll. Diese Erkenntnis hindert aber auch
mich nicht daran, gelegentlich Stolz auf alles Mögliche zu empfinden, mit
dem ich nur mittelbar oder zufällig zu tun habe.
Allerdings auch eine noch so kritische Bewertung dieses Umstands mindert den
empfunden Stolz nur wenig. Stolz bleibt ein subjektives Gefühl..
Zudem ist der Mensch wohl von Natur aus kein Einzelgänger, er identifiziert
und definiert sich selbst auch über die Gruppe, der er angehört (der er
meist auch nur zufällig angehört). Aller zur Schau getragener Inividualismus
scheint dies nicht sonderlich zu berühren.
Gruppenstolz, und sei es Nationalstolz, also einfach abzulehnen, ist daher
ebenso widersinnig.
Man sollte eher lernen, mit Stolz umzugehen, wie man mit allen Gefühlen
umgehen lernen sollte, den Stolz in der Tat kritisch zu betrachten um vor
allem zu lernen, daraus keine Überheblichkeit abzuleiten. Dies betrifft im
übrigen nicht nur den Nationalstolz sondern auch den Stolz auf eigene
Leistungen.
Post by Ralf Ohlendorf
Demnach ist das
Nationalbewußtsein relativ fest in ein konservatives Weltbild
eingefügt. Ausser in [B]elgien, wo der Nationalstolz mit dem
Bildungsniveau steigt,
Gemeint ist wahrscheinlich belgischer Nationalstolz, oder der flämische bzw.
wallonische?
Post by Ralf Ohlendorf
ist in allen EG-Staaten die entgegengesetzte
Konstellation zu beobachten. Besonders eng hängen die
nationalstaatlichen Identifikationen der Briten, Spanier, der
Bundesbürger und Griechen mit traditionellen Werten sowie einer
niedrigen formalen Schulbildung zusammen.<<"
Lars
Martin Blumentritt
2003-08-06 00:00:00 UTC
Permalink
Es begab sich am 06.08.03, als der/die ehrenwerte braesicke
Post by Lars Bräsicke
Post by Ralf Ohlendorf
Dummheit und Stolz
wachsen aus einem Holz, sagt das Sprichwort, und die Forschung ist
tatsaechlich zu dem Ergebnis gekommen, dass ein unkritischer
Nationalstolz und niedriger Bildungsstand immer einhergehen.
"unkritisher Nationalstolz" ist ein Pleonamsus, es gibt kein
kritischen Nationalstolz, denn sowohl Stolz wie Nation sind beides
etwas, wo die Reflexion und damit die Kritik bereits schon
ausgefallen sind. Bei Stolz oder Hochmut ist die Sache eigentlich
bereits klar. Und Nationalstolz oder - gefuehl sind letzlich nichts
als das Ergebnis nationalistischer Indoktrination, Resultat
interessierter Pathetisierung der Grossorganisation des Staates.

"Nation" oder "Volk" ist definiert als vorgestellte oder eingebildete
politische Gemeinschaft in der Geschichte.

" Nation ist ein Begriff, der, wenn ueberhaupt eindeutig, dann
jedenfalls nicht nach empirischen gemeinsamen Qualitaeten der ihr
Zugerechneten definiert werden kann."(Max Weber, Wirtschaft und
Gesellschaft, S. 528)

Die Konsequenz, die aus dieser alten Einsicht zu ziehen ist, dass
solche Begriffe wie "Volk" oder "Nation" nicht als materialer Urgrund
aufzufassen ist, sie gehoert zur "Wertsphaere"(Weber ebenda). Volk und
Nation ist vom Nationalismus oder Rassismus her zu verstehen.
Auffassungen, die Nationalismus als "uebersteigertes Nationalgefuehl"
definieren wollten, sind also abzuweisen. Benedikt Andersons Arbeit
ueber Nation fasst Nation als rein kommunikativ hergestelltes,
gedankliches Konstrukt auf, als "vorgestellte politische
Gemeinschaften". Damit ist als ein erster Schritt die Suche nach
irgendwelchen faktisch vorhandenen Gemeinsamkeiten, die zu nichts
fuehrte, prinzipiell aufgegeben und einer wirklichen Erforschung der
Weg geoeffnet. Denn es sind nun die historischen Umstaende und Faktoren
Thema, die die Ausbildung der Gemeinschaftsvorstellung "Nation"
ermoeglichten. Die neuen Kommunikationsmedien und -beziehungen waren
wesentlicher Faktor fuer den Glauben an die Existenz und Einheit der
semantisch hergestellten Fiktionen wie "Volk" und "Nation".

Allerdings ist die Arbeit von Anderson nur der Anfang und noch sehr
allgemein gefasst. Inhalt, Logik und Spezifika der "vorgestellten
politischen Gemeinschaft" ist naeher zu bestimmen. Insbesondere die im
Nationalismus immer enthaltene Vorstellung und Forderung einer
Identitaet zwischen den Individuen und den Individuen auf der einen
Seite und dem Staat, bei Anderson nicht thematisiert, hat Thema zu
sein. Es fehlt eine ideologiekritische Analyse der
Gemeinschaftsvorstellung von "Volk" und "Nation". Des weiteren
ermangelt es bei Anderson einer Modernisierungstheorie, die den
Umbruch von der traditionalen zur modernen Gesellschaft angemessen
auf den Begriff bringt, obwohl er ja "Nation" als Produkt der Neuzeit
erkennt. Daher widmet er sich fast ausschliesslich nur der Entwicklung
der - nicht unwichtigen - Kommunikationsmedien. Ebenso im Jahre 1983
wie Anderson analysierte Ernest Gellner die Nation als eine
historisch neue Erscheinung. Er nuanciert vor allem den vom Staat
betriebenen Aufbau eines Bildungssystems, das sprachlich-kulturelle
Homogenisierungsleistungen erbringt. Er fasst "Nation" als staatlich
hergestelte "Hochkultur". Die Inhalte der Gemeinschaftsvorstellung,
die Homogenitaetsforderung und Ausgrenzungstendenz bzw. die Rolle von
Feindbildern zu Bildung der Gemeinschaftsvorstellung der "Nation"
geraet ihm aus dem Blick. Mationalismus gilt ihm als "politisches
Prinzip, das besagt, politische und nationale Einheiten sollen
deckungsgleich sein". Allenfalls am Rande erwaehnt er dass Minderheiten
innerhalb der Staatsgrenzen das "Nationalgefuehl" hervorrufen muessen.
Diesen Sachverhalt kann er aber weder in Vehemenz und Entstehung
erklaeren.

Daher ist auf neuere Beitraege der Theorie der "Nation" und zur Genese
der Vorstellung "Volk" abzuheben. Klaus Holz hat Andersons Theorie
praezisiert:

"Nation ist eine vorgestellte politische Gemeinschaft in der
Geschichte. Diese Semantik stellt die Identitaet einer Gruppe von
Individuen und zwischen diesen Individuen und ihrem Staat her. Die
Nation wird beiden Verhaeltnissen vorausgesetzt und erhaelt wenigstens
tendenziell den Rang einer Gewissheit und nicht weiter hintergehbaren
Letztinstanz."(Holz, Der Ort der Mythen der Nation, in: Kritische
Berichte Zeitschrift fuer Kunst- und Kulturwissenschaften, 1997, 55)

Ideologietheoretisch ist die Gemeinschaft von Holz naeher bestimmt, es
ist von ihr als Vorstellung die Rede, wenn die Existenz und Identitaet
der behaupteten Gruppe in einem absolut gesetzten Fixpunkt verankert
ist und daraus hergeleitet wird und dieser Fixpunkt axiomatisch als
vorgegeben gilt und daher fraglos akzeptiert wird, also jeder
Begruendung oder Erklaerung entrueckt ist. Es handelt sich mit anderen
Worten um einen Glauben. Daraus folgt des Weiteren, dass die
Vorstellungsgemeinschaft unabhaengig vom Willen und Wollen der
Gruppenmitglieder besteht, d.h. logish vor- und uebergeordnet ist:

"Das heisst: Gemeinschaft entsteht und besteht nicht kraft Entschluss
ihrer Mitglieder. Gemeinschaft bedarf nicht der Zustimmung, sondern
ist Bestimmung."(Georg Vobruba, Gemeinschaft als
Gesellschaftsprojekt, in: Gemeinschaft ohne Moral. Theorie und
Empirie moralfreier Gemeinschaftskonstruktionen, 1994 37f, in
Anschluss an F.Toennies "Gemeinschaft und Gesellschaft)

Hier erkennen wir schon die Potentiale der Gemeinschaftsvorstellung
"Volk" oder "Nation" fuer autoritaere und diktatorische Herrschaft.
Denn die unhinterfragbare Identitaet zwischen Gemeinschaft und
Fuehrung, wobei allein letztere eine privilegierte Beziehung zum
Absoluten hat. Hier kommt die Einsicht C.Schmitts zum Tragen, dass
moderne politische Begriffe saekularisierte theologiesche Begriffe
seien (Bei Schmitt allerdings nicht kritische, sondern affirmative
gemeint).

Nun ist - wie schon erwaehnt - der Begriff der
Gemeinschaftsvorstellung noch zu allgemein und laesst sich zahlreichen
Gesellschaften und historischen Epochen zuordnen. Wir brauchen also
eine differentia specifica, spezifische Differenz, die darin besteht,
dass die Gemeinschaftsvorstellung "Nation" oder "Volk" unter
Bedingungen, "unter sozialen und kognitiven Voraussetzungen
konstruiert wurde und wird,d ie sich fundamental von traditionellen
Verhaeltnissen und Weltbildern unterscheiden. (Holz a.a.O. 1997, S.
58)

Diese soziale und kognitive Voraussetzung ist die Unmoeglichkeit einer
Identitaet der modernen Gesellschaft, die Luhmann sehr schoen auf den
Begriff gebracht hat:

"Die moderne Gesellschaft ist durch die Umstellung auf funktionale
Differenzierung so komplex geworden, dass sie sich nicht mehr als
Einheit repraesentiert werden kann. Sie hat weder Spitze, noch eine
Mitte [...] Daran scheitern letzlich wohl alle Versuche, in einer
kollektiven Identitaet Anhaltspunkte fuer individuelle
Identitaetsbildung zu gewinnen."(Luhmann, soziologische Aufklaerung Bd.
6, S. 138)

Das Individuum ist aber gezwungen eine grundsaetzliche biographische
Einheit zu konstituieren, horizontal in seinen Lebensalltag durch
Teil-Inklusionen in verschiedene Subsysteme, als auch vertikal in
seiner Lebensgeschichte, also in der Abfolge wechselnder
Kombinierungen von Teil-Inklusionen, die mit sozialer und regionaler
Mobilitaet sich steigern. Da es keinen Ort gibt, wo der einzelne als
gesellschaftliches Wesen existieren kann, kann das Individuum nicht
mehr durch Inklusion, sondern nur durch Exklusion definiert werden.
Die geselschaftlich, sozial produzierte Individualisierung erfolgt
gegen die Gesellschaft und das Individuum erfaehrt sich gegenueber der
Sozialwelt und den anderen Individuen als fremd und distanziert. Die
Individuen - so auch B.Anderson - treten als Fremde gegenueber.
Soziale Verortung ist strukturell prekaer und muss gegen die Realitaeten
der modernen Gesellschaft immer wieder neu reproduziert werden.

Vor exakt diesem gesellschaftlichen Hintergrund ist das Spezifikum
der Gemeinschaftsvorstellung von "Nation" oder "Volk" zu sehen. Sie
ist historisches, gesellschaftliches Resultat des Mangels an
wirklicher Gemeinschaft, kann auf kein reales gesellschaftliches
Moment sich berufen. "Volk" und "Nation" sind
Gemeinschaftsvorstellungen, die anders als tradionelle Gesellschaften
ohne gesellschaftsstrukturelles Pendant ist. Die
Gemeinschaftsvorstellungen artikulieren ein grundsaetzliches Unbehagen
im Bestehenden und werden realiter permanent dementiert durch die
Gesellschaft. Daher kann die Gemeinschaftsvorstellung von "Volk" und
"Nation" als antimoderne Antwort auf die moderne Gesellschaft
aufgefasst werden. "Nation" und "Volk" suggerieren das, was
Gesellschaft unmoeglich macht, die Aufhebung von Individualisierung
und strukturelle Fremdheit der atomisierten Individuen oder
"Deviduen"(G.Anders). "Nation" und "Volk" sind unerfuellbare
Erwartungen. Und diese Erwartungen richten sich an die Staatsfuehrung,
sie solle die "nationale Gemeinschaft" (wieder)herstellen und
garantieren. Diese Fixierung entsteht und kann entstehen, weil der
Staat - der ja nicht Weltstaat, sondern viele Staaten ist - bestimmen
muss, wer als Staatsbuerger gilt und wer nicht.

Waehrend fast alle sozialen Beziehungen fluechtig sind, alles auf
Instabilitaet beruht, ist die abstrakte Zugehoerigkeit zum Staat
kontinuierlicher, kann gar als quasi-natuerlich und sicher erscheinen.
Erscheinen ist aber nicht Sein. Des weiteren beansprucht der Staat
seit der franzoesischen Revolution den "Willen des Volks" zu
repraesentieren, das "Gemeinwohl" zu garantieren und ueber den
Interesser aller Buerger zu stehen, auch Fiktionen. Und der Staat soll
die Risiken der kapitalistischen Oekonomie abfedern.

Auch diese Bindung der Gemeinschaftsvorstellung "Volk" oder "Nation"
aendert nichts an der grundsaetzlichen Paradoxie, dass gesellschaftliche
Einheit nur simuliert wird, waehrend sie durch die reale Gesellschaft
durchgehend konterkariert wird. Eine Identitaet von Gesellschaft und
Individuum ist nicht moeglich, das Allgemeine ist Realabstraktion.
Daher bedarf es der staendigen Mobilmachung im Namen von "Volk" und
"Nation", permanenter Operationen und Kommunikationen, die folgende
Strategien verfolgen: die 1. Inszenierung von Gemeinschaft, 2.
Naturalisierung und Ethnisierung von Gemeinschaft, 3. Konstruktion
einer Nationalgeschichte und 4. Selbstidentifikation durch
Feindmarkierung.

Ad 1) Ueber Mythen, Symbole, Fahnen und Denkmaeler wird eine nationale
Liturigik analog der religioesen entwickelt. Im Tode findet real wie
symbolisch die Nation auch ihr Prinzip:

"Es gibt keine fesselnderen Symbole fuer die moderne Kultur des
Nationalismus als die Ehrenmaeler und Graeber der Unbekannten Soldaten.
Die oeffentlichen Referenzen, die diesen Denkmaelern gerade deshalb
erwiesen werden, _weil_ sie entweder leer sind oder niemand weiss, wer
darin bestattet ist, haben kein Vorlaeufer in frueheren Zeiten. (...)
Doch so entleert von bestimmbaren menschlichen Ueberresten oder
unsterblichen Seelen diese Graeber auch sind, so uebervoll sind sie von
gespenstischen _nationalen_ Vorstellungen."(B.Anderson, Die Erfindung
der Nation S.18)

Ad 2) Die Naturalisierung und Ethnisierung von Gemeinschaft ist die
Imagination gemeinsamer Abstammung. "Das uns so archaisch anmutende
Prinzip der Blutsverwandtschaft ist nicht Ausgangspunkt, sondern
Folge der Definition des Staatsvolks im europaeischen Staatensystems."
(Matthias Boes, Ethnisierung des Rechts? Staatsbuergerschaft in
Deutschland, Frankreich, Grossbritanien und den USA, in Koelner
Zeitschrift fuer Soziologie 45 Jg. 1993 619-643, S. 639)

Die wie auch immer gefasste naturhafte Verankerung der Existenz einer
Wir-Gemeinschaft begruendet die konstitutive Naehe und
Entwicklungstendenz der Gemeinschaftsvorstellung von "Volk" und
"Nation" zu biologisch-rassistischen Vorstellungen

Ad 3) Renan hatte bereits die Einsicht, dass "das Vergessen oder gar
das Missverstehen von Geschichte ein wesentliches Moment bei der
Herausbildung einer Nation" ist. Die nationalistische IndoktriNation
will "Volk" oder "Nation" als immer schon existente Gemeinschaft
aufweisen und verankern, moeglichst von fruehster Vorzeit bis zur
Gegenwart, gleichgueltig welche Kriterien dafuer herhalten muessen,
Abstammung, Rasse, Sprache, Kultur. Das "Volk" soll dann so eine
natuerliche Einheit durch die Geschlechter hindurch verbuergen. Da die
Realitaet solche Einheitsvorstellung dementiert, soll die Konstruktion
der Nationalgeschichte als eine Kette von Schlachten, Siegen oder
Niederlagen, grossen Herrschern und opferwilligen Maertyrern das "Volk"
in der Vergangenheit begruenden. Hier sehen wir allerdings heute beim
deutschen "Volk" Schwierigkeiten, gerade wegen der Vergangenheit, die
wenig ruehmlich ist. Darum soll ja immer Schlussstrich gezogen werden,
die Schande verborgen werden. Und diejenigen, die da stoeren, sollen
zum Schweigen gebracht werden. Jeder der Opfergruppe ist ein lebender
Stoerfaktor fuer die nationale Indoktrination.

Ad 4) Und so sind wir schon bei der Markierung von Feinden. Dass in
Krisenzeiten innere Konflikte und Integrationsdefizite zu
nationalistischer Ausgrenzung und Aggression nach aussen fuehren, heute
etwa gegen die USA und Israel, wie wir es in Deutschland sehen, ist
so trivial, dass es immer wieder von Historikern bemerkt wurde.
Entscheidender ist - und das betonen neuere Arbeiten zum Begriff von
"Volk" und "Nation" - dass die aggresive Abgrenzung und die
Entwicklung von Feindbildern keineswegs erst in Krisensituation
entstehen, sondern integraler Bestandteil der
Gemeinschaftsvorstellung von "Nation" und "Volk" sind. Die "Nation"
benoetigt allein deswegen einen Feind, weil in der funktional
ausdifferenzierten Gesellschaft jede Behauptung von Identitaet durch
die reale Nichtidentitaet dementiert wird. Die gesellschaftlich
Individualisierten sind unabdingbar und unaufhebbar fremd und fern
voneinander und nichts existiert, was das in der kapitalistischen
Gesellschaft aendern und zu einer solidarischen Gemeinschaft fuehren
koennte. Diese Dilemma wird geloest mit der Konstruktion von "Fremden",
"Anderen", "Feinden". Die institutinelle Basis dafuer liefert der
Staat in der Unterscheidung von In- und Auslaendern, Staatsbuergern und
Nicht-Staatsbuergern. Selbst wenn diese unideologisch erfolgt, erfolgt
eine grundsaetztliche Beziehung von Freund und Feind, wer dazugehoert
und wer nicht. Das Aussen wird nicht nur als konturlose Menge von
Anderen konstruiert, sondern als ein Menge von auf Unterschiede
gebrachte andere "Nationen" mit jeweils anderem "Nationalcharakter".
Durch die Stereotypisierung wird die inhaltliche Leere des
Unterschieds von Wir und Denen verdeckt. Erst die Konstruktion des
Anderen als Fremden konturiert das Selbstbild der ersehnten
Gemeinschaft. Und da man sich nicht mit negativen Eigenschaften
identifizieren kann, muessen die Eigenschaften positiv verzeichnet und
nach der Logik der Reziprozitaet die Anderen negativ charakterisiert
werden. Dazu reicht es nicht aus, dass bloss Andere konstruiert werden,
die einfach nur anders sind oder relativ weniger anziehend, sondern
die Gemeinschaftsvorstellung "Volk" und "Nation" ist immer auch
begleitet von der Identifizierung eines Anderen als bedrohlicher
"Feind". Aus der Mannigfaltigkeit von Anderen resultiert in der Regel
ein Hauptfeind, die Notwendigkeit eines Gegenbildes der eigenen
Nation resultiert in einem Feindbild. Historisch sah man das an der
grossen Bedeutung sog. "Erzfeinde" bei der Einbildung, also Bildung
der "Nation". "Die Definition des Feindes ist hier gleichurspruenglich
mit der Definition der durch ihn bedrohten Einheit."Hoffmann, Die
Konstitution des Volkes durch seine Feinde, in Jahrbuch fuer
Antisemitismusforschung 2, hrg. Wolfgang Benz, Frankfurt 1993, S. 22
"Das Gemeinschaftsgefuehl der Massen braucht zu seiner Ergaenzung die
Feindseligkeit gegen eine aussenstehende Minderzahl."(S.Freud, Der
Mann Moses und die monotheistishce Religion, SA Bd. IX, 1974 S. 538)
Insbesondere Kriege eignen sich zur Formierung der Nation, weil die
Bedrohung zur existentiellen Bedrohung gesteigert wird. Der
reaktionaere Romantiker Adam Mueller pries daher den Krieg als
Gemeinschaftsbildner:

"Dass der Staat ein auf Tod und Leben verbundenes Ganzes sey, ...
erkennen seine Teilnehmer im Friedenszustande sehr schwer, da
nehmlich ist jeder Teilnehmer viel mehr gegen seine Mitteilnehmer,
als gegen den benachbarten Staat, aufmerksam und feindlich
eingestellt."(Adam Mueller, Elemente der Staatskunst Jena 1922 I, S.
84) Erst Kriege gaeben daher den Staaten "ihre Umrisse, ihre
Festigkeit, Individualitaet und Persoenlichkeit."(Mueller a.a.O. 1922
Bd. II S. 5)

Dem Feind nach aussen korrespondiert stets ein Feind nach innen, der
Fremde im eigenen Land. Der Auslaender im Inland ist der Prototyp des
Fremden. Er erfuellt im Vergleich mit dem aeusseren Feind die Funktion
eines Gegenbildes, das auf vorurteilshaften, abwertenden
Eigenschaftszuschreibungen im unmittelbaren Alltag beruht und
stabilisiert werden kann. Fremde SIND nicht fremd, sie werden fremd
GEMACHT. Die Doppeldeutigkeit von "fremd" ist im Englischen
aufgehoben in der Unterscheidung von "strange" und "unknown". Die
generelle strukturelle Fremdheit, nur ausnahmsweise kennen wir den
Anderen, wie ein Blick in das Telefonbuch zeigt, wird auf die zu
"Fremden" erklaerten projiziert und so im Gegenzug Vertrautheit mit
den Eigenen suggeriert. Da die reale Fremdheit aller aber die
Vertrautheit staendig dementiert, werden zwei Fliegen mit einer
Klatsche geschlagen. Der innere Feind wird verantwortlich gemacht
auch fuer diese Fremdheit und dafuer, dass die Einheit der Nation sich
staendig als blosse Schimaere erweist. In Deutschland waren nur die
Juden das geeignete Feindbild und so spielte der Antisemitismus eine
grosse Rolle bei der Entstehung der "Gemeinschaftsvorstellung der
politischen Gemeinschaft" "Nation".

Nun war die Erfindung der deutschen Nation mit der offensichtlichen
Unauffindbarkeit der Einheit und Gemeinschaft in der politischen und
gesellschaftlichen Wirklichkeit konfrontiert. Ernst Moritz Arndt
suchte vergeblich nach einem deutschen Volk: "Deutsches Volk? Was
bist du, und wo bist du? Ich suche und finde dich nicht."(Ernst
Moritz Arndt, Deutsche Volkswerdung. Sein politische Vermaechtnis an
die deutsche Gegenwart. Kernsellen aus seinen Schriften und Briefen,
hrsg. Carl Petersen, Paul Hermann Ruth, Breslau 1934 S. 62) Die
revolutionaer sich konstituierende Nation - als Drittenstandsbegriff -
Frankreichs konnte aus einer zentralistisch verwalteten
absolutistischen Monarchie mit relativ feststehendem Territorium
aufbauen, waehrend in das prospektive deutsche Land aus einer Vielzahl
politischer Einheiten bestand. Der absolutistische Zentralismus
fehlte. Daher konnte bei der Genese der Gemeinschaftsvorstellung die
Rolle des Feindbildes in besonderer Schaerfe zutage treten. In
Frankreich war sie natuerlich auch vorhanden. Es wurde nicht bloss
Napoleon und seine Armee zum Feind erklaert, sondern das franzoesische
"Volk" wurde als Ganzes zum hassenswerten Feindbild stilisiert.
"Daher muss ein Volk einem Volke, solange es als solches bestehen
will, durchaus gegenueberstehen, und fast feindselig
gegenueberstehen."Enrst Moritz Arndt a.a.O. 1934 S. 111) Die Deutschen
sollten erkennen, dass "sie ein viel besseres und edleres Volk sind
als die Franzosen"(Ernst Moritz Arndt, Werke. Auswahl in zwoelf
Teilen, hrsg. August Leffson und Wilhelm Steffens o.J. S. 178f) "Lasst
uns die Franzosen nur recht frisch hassen ... als Deutsche, als Volk
beduerfen wir dieses Gegensatzes."Arndt a.a.O. o.J. IX 139 Eine
Schrift hiesst dann ja auch "Ueber den Volkshass". Und Fichte ist ganz
deutlich: "Im Kriege und durch gemeinschaftliches Durchkaempfen
desselben wird ein Volk zum Volke." Allein der Krieg gegen Frankreich
- so Goerres - koenne "unserm Volke die Einheit gegen." Der Opfertod
ist der Leitfaden fuer die "Nation".

Ein zweites Moment der deutschen Nationsvorstellung ist die Tendenz
zur Naturalisierung und Ethnisierung der "Nation". Es wurde immer
inhaltsleer auf ein transzendentes "deutsches Wesen", auf ein
"Volksgeist", "Volksthum" oder "Volksthuemlichkeit" sich berufen. Die
ganze Romantik triefte nur so von arische Mythen. Friedrich Schlegel
war nicht weniger als J. Grimm Anhaenger des Mythos einer
nordisch-germanischen Rasse, die allen anderen ueberlegen sei. Es
herrschten organische Vorstellungen vor, "dass alle Mitglieder
gleichsam nur Ein Individuum bilden sollen". Dazu muessen "alle von
der naemlichen Abstammung sein,.. desto mehr wir es eine Nation sein".

Ein drittes Moment in Deutschland war: Autoritaere Tendenzen waren
hier von Anfang an impliziert. Die jeder Gemeinschaftsvorstellung
innewohnende Ueberordnung des Ganzen ueber die Einzelnen praegte in
Deutschland sich infolge der Naturalisierung besonders aus. Adam
Mueller hielt es fuer entscheidend, dass sich jeder "unaufhoerlich wieder
dem Ganzen unterwirft und hingiebt"(Mueller a.a.O. 1922 I 329) Der
Gesamtwille soll auch der der Einzelnen sein, wobei allerdings die
Fuehrungsinstanz einen priveligierten Zugang zum Inhalt des
Volkswillen hat. " Durch das Volk heisst mir durch die Idee des
Volkes "(Enrst Moritz Arndt, Germanien und Europa. Ein Buch an der
Schwelle unseren Zeitalters, System, Bedeutung, Einordnung in die
Zeit, hrsg. Ernst Anrich, Stuttgart 1940 S. 196) Der weise
Gesetzgeber tue schon das, was das Volk wolle.

Als viertes Moment haben wir den besonders hervortretenden
antimodernen Impuls. die Stossrichtung war antifranzoesisch und mehr
und mehr antijuedisch. Dies zeigte sich besonders in dem antimodernen
Topos "deutscher Kultur". Diese versprach die voellig fehlende
Realitaet einer Einheit zu kompensieren. "Deutsche Kultur" war ein
gegen Frankreich und die Juden gerichtete Kampfbegriff. "Deutsche
Kultur", das hiesst Bodenstaendigkeit, Verwurzelung, hoechste Werte
beinhaltend, waehrend die franzoeische und juedische Kultur kuenstlich,
raesonierend und oberflaechlich, wurzellos dargestellt wurde. Bis hin
zur Weimarer Republik entwickelte sich die deutsche Nationskonzeption
in der Form, dass die Homogenisierung durch Feinderklaerung und
Naturalisierung des Volkes oder Ethnisierung der Politik betrieben
wurde. Dies ist etwas speziell Deutsches, das auf die in der
nationalistischen Ideologie prinzipiell innewohnende Dynamik
verstaerkend einwirkte.

Diese Tendenzen finden sich auch in Frankreich, auch hier haben wir
identitaere Tendenzen, die kontrafaktische Behauptung einer
Gemeinschaft, konstitutiv begleitet vom Auschluss und Bekaempfung von
Feinden, wozu allerdings der Adel und Klerus als innerer Feind
hinzutrat, so dass die Entwicklung nicht so krass war wie in
Deutschland. Der Hauptfeind waren die Privilegierten, ueber die Sieyes
so herzog wie deutsche Neonazis ueber Asylanten.

In Deutschland konnte ein Feind zwei Fliegen mit einer Klappe
schlagen, sie konnte als innerer wie aeusserer Feind fungieren - noch
in Hitlers "Mein Kampf" ist das so, dass er ueber die Zionisten
herzieht - die Juden galten als "Nation in der Nation". Die
zufaelligen Umstaende der Geschichte hatten die Juden dazu
praedestiniert fuer Deutschland die Funktion des anwesenden Anderen zu
erfuellen, deren die Gemeinschaftsvorstellung zur Grenzziehung,
Homogenisierung und Stabilisierung bedarf. Die christliche
antijudaistische Tradition per definitionem - die Christen mussten
sich von der Gruppe absetzen, aus deren Verrat sie sich entwickelt
hatten - hatte hier ihren Beitrag, viele Antisemiten waren Prediger,
man denke an Stoecker und Lueger. Die Juden waren die "religioes
Anderen" zu denen traditionell eine Grenze gezogen war, sie waren
sozial, rechtlich, raeumlich und sichtbar gekennzeichnet ausgegrenzt
gewesen. Gerade ihr Unsichbarwerden in Emanzipation und Assimilation
drohte die Gemeinschaftsvorstellung von "Volk" und "Nation" zu
zerstoeren. Schon lange vor dem dezidiert biologistisch-rassistisch
sich begruendenden Antisemitismus predigte man eine grundsaetzliche,
unaufhebbare Fremdheit zwischen Deutschen und Juden. Die oekonomische
antisemitische Argumentation, stand in den Anfaengen noch nicht im
Vordergrund, das galt erst im spaeten 19. Jh. Es ging nicht nur um die
Abwehr der Gleichstellung der Juden, die durch den Code Napoleon
gebracht wurde. Intellektuelle wie J.F. Fries - gegen den Hegel
seinen Antisemitismus aufgab, vor der Hetze erschaudernd, vgl.
Rechtsphilosophie Einleitung - nutzen die Juden als "inneren Feind"
zur Konstitution des deutschen Volkes. Friedrich Ruehs brachte das
drastisch zum Ausdruck: "Jedes Volk, das sich in seiner
Eigentuemlichkeit und Wuerde zu behaupten und zu entwickeln wuenscht,
muss alle fremdartigen Theile,d ie es nicht innig und ganz in sich
aufnehmen kann, zu entfernen und auszuscheiden suchen, dies ist der
Fall mit den Juden."Friedrich Ruehs, Ueber die Ansprueche der Juden an
das deutsche Buergerrecht. Mit einem Anhang ueber die Geschichte der
Juden in Spanien, Berlin 1816 S. 32

Durch das 19. Jh zieht sich die Bezeichnung der Juden als Fremdlinge
durch. Der Erfinder des Wortes Antisemitismus Wilhelm Marr spricht
immer noch von "fremdem Volksstamm", "semitischer Fremdling",
"fremdes Volkselement", "semitische Race" und "Staat im Staate".
(Marr, Der Sieg des Judentum ueber das Germanenthum, Berlin 1879, S.
11, 20, 22, 32, 43). Besonders die assimilierten Juden gerieten ins
Fadenkreuz der Antisemiten, weil ihre Existenz die behauptete
unueberwindbare Differenz in Frage stellte und damit die simulierte
Identitaet in der Gemeinschaftsvorstellung deutscher Nation. Und so
galten die orthodoxen Juden, die religioesen Juden als die geringere
Gefahr: Wilhelm Marr Er wendet sich strikt gegen den traditionellen
Antisemitismus: "Gegen jede »religioese« Verfolgung nehme ich somit
die Juden unbedingt in Schutz."a.a.O.

Heinrich - "Die Juden sind unser Unglueck" - Treitschke schrieb sodenn
auch: "Wer...behauptet, das Judenthum sei genau in demselben Sinne
deutsch wie das Christentum, der versuendigt sich."Heinrich von
Treitschke, Herr Graetz und sein Judentum, in: Walter Boehlich, Der
Antisemitismusstreit, Frankfurt 1965 S. 86. Auf der einen Seite
fordert Treitschke die totale Assimilation "unser juedischen Buerger"
sollen sich "rueckhaltlos entschliessen Deutsche zu sein", auf der
anderen haelt er die "vollstaendige Verschmelzung fuer unmoeglich. (a.a.O
S. 12 S. 36)

Schliesslich mussten ja unter Hitler dann die Juden gelbe Sterne
tragen, damit ja keine Vermischung droht. Denn Deutschsein benoetigt
die Abgrenzung gegen Juden. Dies wurde als deutscher Sozialcharakter
verinnerlicht, so sehr, dass selbst der Kreis der Hitlerattentaeter
Antisemiten blieben.
Post by Lars Bräsicke
Die Betonung liegt auf dem Wort "unkritisch".
Kritischer Nationalstolz waere ein Widerspruch in sich. Um sich mit
der Nation zu identifizieren, bedarf es bereits der Ausschaltung von
Reflexion, denn das ist schon der Charakter von Identifikationen.
Post by Lars Bräsicke
Stolz auf alles andere als die eigenen Leistungen erscheint objektiv
betrachtet nicht sonderlich sinnvoll.
Ist es auch nicht, es erscheint nicht nur so, sondern es ist so.
Post by Lars Bräsicke
Gruppenstolz, und sei es Nationalstolz, also einfach abzulehnen, ist daher
ebenso widersinnig.
Es ist eine zwingende Konsequenz kritischen Denkens.

mfg Martin Blumentritt

Homepage: <http://www.comlink.de/cl-hh/m.blumentritt>

"Mich hat der Teufelsdreck, der sich Nationalsozialismus nennt, den
Hass gelehrt. Zum ersten Mal in meinem Leben den wirklichen, tiefen,
unausloeschlichen, toedlichen Hass."(Thomas Mann)
___
_Kein Volk * Kein Fuehrer * Kein Vaterland * Logout Fascism_
Wer von Israel sprechen will, darf von Auschwitz nicht schweigen.
Lars Bräsicke
2003-08-06 20:26:44 UTC
Permalink
Eine Auffassung, die Nationalismus als uebersteigertes Nationalgefuehl
auffasst, setzt Nation bereits unkritisch voraus. Sie behauptet, dass
Nation mehr sei als bloss eine "vorgestellte Gemeinschaft", sie ist
tendenziell exakt der voelkische, rassistische Nationalismus, den sie
nicht zu wollen vorgibt.
Erstaunlich, wie jemand den Begriff der Nation ablehnt, jedoch gteichzeitig
Hohelieder auf eine Form des Nationalismus, den Zionismus singt.

Lars
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