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Schieflagen in der Wahrnehmung
(zu alt für eine Antwort)
Der Habakuk.
2018-09-13 05:48:33 UTC
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"Hier Aufmarsch, da Demo

In Deutschland fehlt die Äquidistanz im Umgang mit rechter und linker
Variante des Extremismus. Wer rechts- und linksextreme Gewalt
miteinander vergleicht, sollte jeweils Spezifika herausarbeiten, aber
nichts aufrechnen. Der eine Extremismus wird nicht durch den Verweis auf
einen anderen besser.

Eckhard Jesse

Die spektakulären Vorgänge in Chemnitz (Sachsen) stellen kein Novum dar,
was die Dramatisierung der Tumulte von rechts (aussen) als «Hetzjagd»
sowie die Bagatellisierung der Vorkommnisse von links (aussen)
anbelangt. So fand ein angemeldeter AfD-/Pegida-Demonstrationszug durch
eine von der Polizei nicht aufgelöste Blockade schnell ein Ende. Bei der
Gegendemonstration «Herz statt Hetze» (die Antifa fehlte nicht)
gastierte eine ihrem Selbstverständnis nach antideutsche Band. Für die
meisten Medien war das kein Thema.
...
Während der Grossteil der Exzesse von rechts aussen eher spontan
erfolgt, weist die Szene links aussen ein weit höheres Mass an
Planungsintensität auf. Unterschiede in der Tatspezifik gehen unter
anderem auf die verschiedenartige soziale Charakteristik der Akteure
zurück. Rechts ist das Durchschnittsalter niedriger, das
Reflexionsniveau deutlich schwächer, der Männeranteil höher, die Neigung
zu körperlicher Gewalt stärker. Entlädt die rechte Gewalt sich eher
expressiv (Gewalt als Selbstzweck), ist diejenige von links stärker
instrumentell bestimmt: Gewalt als Mittel zum Zweck.

Die Interaktionsdynamik links- und rechtsextremer Gruppen fällt
beträchtlich aus. Der eine Extremismus versucht seine
Existenzberechtigung mit dem Kampf gegen einen anderen zu legitimieren.
Das gilt zumal für die linke Variante. Für die rechten Gewalttäter sind
«Fremde» und «Zecken» das Ziel ihrer Attacken. Für die linken
Gewalttäter sind es «Bullen» und «Faschos». Kommunismus ist kein
Feindbild mehr, Faschismus schon. Darin treffen sich linksextremistische
Antideutsche und Antiimperialisten. Insofern gibt es deutlich mehr linke
Gewalttaten gegen rechts (2017: 264) als rechte Gewalttaten gegenüber
links (2017: 98).

Schieflage in der Wahrnehmung

Der unorganisierte oder nur schwach organisierte gewaltbereite
Rechtsextremismus hat nach der deutschen Einheit stark zugenommen. Dabei
geht die Überrepräsentation Ostdeutscher auf die Zeit vor und auf die
Zeit nach der deutschen Einheit zurück. Viele Gewalttaten, vor allem
fremdenfeindliche, sind spontaner Natur – oft weisen die Täter keinen
rechtsextremistischen Hintergrund auf. Der paradox anmutende Begriff des
«Extremismus der Mitte», der deswegen breiten Gebrauch findet, hat
allerdings einen mehr verdunkelnden als erhellenden Charakter, dient er
doch bisweilen zur Delegitimation des demokratischen Verfassungsstaates.

Wer rechts- und linksextreme Gewalt miteinander vergleicht, sollte
jeweils Spezifika herausarbeiten, aber nichts aufrechnen. Der eine
Extremismus wird nicht durch den Verweis auf einen anderen besser. Ein
Teil der Wissenschaft tabuisiert den Vergleich zwischen Rechts- und
Linksextremismus, weil der Terminus «Linksextremismus» nicht als
akzeptiert gilt. Es gibt in Deutschland schon seit längerem eine
bemerkenswerte Schieflage zwischen der Stärke der extremistischen Szenen
und ihrer Wahrnehmung. Rechtsextremismus wird, zumal in
öffentlichrechtlichen Medien, mitunter hoch-, Linksextremismus dagegen
eher heruntergespielt.

Auf der einen Seite ist euphemistisch vielfach von «Linksradikalen» und
«linker Militanz» die Rede (dies entspricht weithin dem
Selbstverständnis der einschlägigen Gruppen), auf der anderen Seite von
«Rechtsextremisten» und «Menschenfeindlichkeit». Linksextremismus wird
kaum je beim Namen genannt, weil «links» angeblich nicht extremistisch
sein könne. So erklärte im Juli 2017 nach den wüsten Ausschreitungen
gegen den G-20-Gipfel der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz, links und
Gewaltanwendung schlössen sich gegenseitig aus. Rechtsextremismus
wiederum wird vielfach auf «rechts» reduziert, vielleicht deshalb, um
den Kreis der moralisch Suspekten auszuweiten.

Insofern verwundert der Befund nicht: Gegenüber links dominiert
Inklusion, gegenüber rechts Exklusion. Der Umgang – bereits in der
Sprache: hier «Aufmarsch», da «Demo» – ist ein anderer. Einige
Beispiele: Rechtsextremisten müssen sich das Versammlungsrecht zuweilen
erst gerichtlich erstreiten, da die Stadtverwaltungen mit Verboten im
«Kampf gegen rechts» Flagge zeigen wollen. Die finanziellen Mittel für
die Extremismusprävention hat die Bundesregierung jüngst verdreifacht.
Der Löwenanteil fliesst dabei in Programme gegen Rechtsextremismus." (NZZ)
--
*Ceterum censeo religionem Mohammedanicam esse coercendam!*
Charlie
2018-09-13 06:42:50 UTC
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Post by Der Habakuk.
"Hier Aufmarsch, da Demo
Die (sozialitische) Wahrnehmungs-Schieflage ist schnell erklaert:

"Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus.
Er wird sagen: Ich bin der Antifaschismus."
(Ignazio Silone)

Merkels neue "bunte" SED (alle deutschen Parteien ausser der AFD)
sieht den Linksextremimus (internationale Terrororganisation
"Antifa" etc.) als Ordnungsmacht, wie in der DDR die Stasi.

Und Angela Merkel war eine Fuehrerin bei der Stasi:

[a]
Die Redakteure stiessen dabei auf ein Foto, dass eine junge Frau,
die sich um 1980 in dieser Zeit dem Grundstueck der Familie Havemann
in Grünheide bei Berlin näherte: Auf dem Foto war ANGELA MERKEL zu
sehen, die sich dem Grundstueck Havemann in der Zeit der Observation
und der Isolation von Havemann näherte. Spaeter wurde bekannt, das
Frau Merkel die Aufgabe hatte die Observation selbst zu *ueberwachen*.

http://www.chronik-berlin.de/news/merkel_02.htm
Post by Der Habakuk.
"Hier Aufmarsch, da Demo
In Deutschland fehlt die Äquidistanz im Umgang mit rechter und linker
Variante des Extremismus. Wer rechts- und linksextreme Gewalt
miteinander vergleicht, sollte jeweils Spezifika herausarbeiten, aber
nichts aufrechnen. Der eine Extremismus wird nicht durch den Verweis auf
einen anderen besser.
Eckhard Jesse
Die spektakulÀren VorgÀnge in Chemnitz (Sachsen) stellen kein Novum
dar, was die Dramatisierung der Tumulte von rechts (aussen) als
«Hetzjagd» sowie die Bagatellisierung der Vorkommnisse von links
(aussen) anbelangt. So fand ein angemeldeter
AfD-/Pegida-Demonstrationszug durch eine von der Polizei nicht
aufgelöste Blockade schnell ein Ende. Bei der Gegendemonstration «Herz
statt Hetze» (die Antifa fehlte nicht) gastierte eine ihrem
SelbstverstÀndnis nach antideutsche Band. FÌr die meisten Medien war
das kein Thema. ...
WÀhrend der Grossteil der Exzesse von rechts aussen eher spontan
erfolgt, weist die Szene links aussen ein weit höheres Mass an
PlanungsintensitÀt auf. Unterschiede in der Tatspezifik gehen unter
anderem auf die verschiedenartige soziale Charakteristik der Akteure
zurÃŒck. Rechts ist das Durchschnittsalter niedriger, das
Reflexionsniveau deutlich schwÀcher, der MÀnneranteil höher, die
Neigung zu körperlicher Gewalt stÀrker. EntlÀdt die rechte Gewalt
sich eher expressiv (Gewalt als Selbstzweck), ist diejenige von links
stÀrker instrumentell bestimmt: Gewalt als Mittel zum Zweck.
Die Interaktionsdynamik links- und rechtsextremer Gruppen fÀllt
betrÀchtlich aus. Der eine Extremismus versucht seine
Existenzberechtigung mit dem Kampf gegen einen anderen zu legitimieren.
Das gilt zumal fÌr die linke Variante. FÌr die rechten GewalttÀter
sind «Fremde» und «Zecken» das Ziel ihrer Attacken. FÌr die linken
GewalttÀter sind es «Bullen» und «Faschos». Kommunismus ist kein
Feindbild mehr, Faschismus schon. Darin treffen sich linksextremistische
Antideutsche und Antiimperialisten. Insofern gibt es deutlich mehr linke
Gewalttaten gegen rechts (2017: 264) als rechte Gewalttaten gegenÃŒber
links (2017: 98).
Schieflage in der Wahrnehmung
Der unorganisierte oder nur schwach organisierte gewaltbereite
Rechtsextremismus hat nach der deutschen Einheit stark zugenommen. Dabei
geht die ÜberreprÀsentation Ostdeutscher auf die Zeit vor und auf die
Zeit nach der deutschen Einheit zurÃŒck. Viele Gewalttaten, vor allem
fremdenfeindliche, sind spontaner Natur – oft weisen die TÀter keinen
rechtsextremistischen Hintergrund auf. Der paradox anmutende Begriff des
«Extremismus der Mitte», der deswegen breiten Gebrauch findet, hat
allerdings einen mehr verdunkelnden als erhellenden Charakter, dient er
doch bisweilen zur Delegitimation des demokratischen Verfassungsstaates.
Wer rechts- und linksextreme Gewalt miteinander vergleicht, sollte
jeweils Spezifika herausarbeiten, aber nichts aufrechnen. Der eine
Extremismus wird nicht durch den Verweis auf einen anderen besser. Ein
Teil der Wissenschaft tabuisiert den Vergleich zwischen Rechts- und
Linksextremismus, weil der Terminus «Linksextremismus» nicht als
akzeptiert gilt. Es gibt in Deutschland schon seit lÀngerem eine
bemerkenswerte Schieflage zwischen der StÀrke der extremistischen
Szenen und ihrer Wahrnehmung. Rechtsextremismus wird, zumal in
öffentlichrechtlichen Medien, mitunter hoch-, Linksextremismus dagegen
eher heruntergespielt.
Auf der einen Seite ist euphemistisch vielfach von «Linksradikalen»
und «linker Militanz» die Rede (dies entspricht weithin dem
SelbstverstÀndnis der einschlÀgigen Gruppen), auf der anderen Seite
von «Rechtsextremisten» und «Menschenfeindlichkeit».
Linksextremismus wird kaum je beim Namen genannt, weil «links»
angeblich nicht extremistisch sein könne. So erklÀrte im Juli 2017
nach den wÃŒsten Ausschreitungen gegen den G-20-Gipfel der
SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz, links und Gewaltanwendung schlössen
sich gegenseitig aus. Rechtsextremismus wiederum wird vielfach auf
«rechts» reduziert, vielleicht deshalb, um den Kreis der moralisch
Suspekten auszuweiten.
Insofern verwundert der Befund nicht: GegenÃŒber links dominiert
Inklusion, gegenÃŒber rechts Exklusion. Der Umgang – bereits in der
Sprache: hier «Aufmarsch», da «Demo» – ist ein anderer. Einige
Beispiele: Rechtsextremisten mÃŒssen sich das Versammlungsrecht zuweilen
erst gerichtlich erstreiten, da die Stadtverwaltungen mit Verboten im
«Kampf gegen rechts» Flagge zeigen wollen. Die finanziellen Mittel
fÌr die ExtremismusprÀvention hat die Bundesregierung jÌngst
verdreifacht. Der Löwenanteil fliesst dabei in Programme gegen
Rechtsextremismus." (NZZ)
F. Werner
2018-09-13 08:03:57 UTC
Permalink
Post by Der Habakuk.
Der unorganisierte oder nur schwach organisierte gewaltbereite
Rechtsextremismus hat nach der deutschen Einheit stark zugenommen. Dabei
geht die Überrepräsentation Ostdeutscher auf die Zeit vor und auf die
Zeit nach der deutschen Einheit zurück.
In der Schule der DDR wurde der Faschismus nicht sorgfältig genug
analysiert. Das macht auch Sinn, denn jedem Schüler wären die Parallelen
zwischen dem NS-Staat und der DDR aufgefallen.

Wenn man aber nicht weiß, wie der NS-Staat entstanden ist, dann kann man
auch eigene Ansichten nicht auf Widerspruch überprüfen. Das kann man
auch dann nicht, wenn man selbst Informationen aus dem Internet beziehen
und sich auf denselben Stand wie Journalisten stellen kann.

Denn das Handwerk des Journalisten besteht auch aus der Quellenprüfung,
aus der Trennung von Bericht und Meinung und der Einsicht, dass man
Behauptungen auch wenigstens durch zwei unabhängige Quellen belegen
muss, will man seriösen Journalismus betreiben.

Hinzu kommt noch das "Neusprech" auch der etablierten Journalisten, die
den Eindruck erwecken, im Auftrag der Regierung zu arbeiten und die
Leser erziehen zu wollen. Leser, die selbstständig Informationen
beziehen können, lassen sich nicht mehr "erziehen".

Das Totschweigen von Selbstmord zur Verhinderung des "Werther-Effektes"
gehört ebenso dazu, wie das gemeinsame Erklären der AfD zur Nazi-Partei,
obwohl diese nur nationalkonservative Ansichten in ihrem Parteiprogramm
hat, was in England und Frankreich im Übrigen niemanden alarmiert.

FW
Toni-Ketzer
2018-09-13 20:09:57 UTC
Permalink
Post by Der Habakuk.
"Hier Aufmarsch, da Demo
In Deutschland fehlt die Äquidistanz im Umgang mit rechter und linker
Variante des Extremismus. Wer rechts- und linksextreme Gewalt
miteinander vergleicht, sollte jeweils Spezifika herausarbeiten, aber
nichts aufrechnen. Der eine Extremismus wird nicht durch den Verweis auf
einen anderen besser.
Einfache solide Mitbürger bezeichnet man als "mitte Rechts".
Solche Bodenständige wert und werkschaffende Bürger pflegen nicht zu
demonstrieren. Sie organisieren sich nicht zu politisch motivierte
Gemeinschaften, treten keiner vergleichbar 'Gewerkschaft' bei. Sie mögen
lieber hinterfragen, hören andere Mitbürger zu. Sie äußern sich selten,
leise und bedacht. Sie achten das bürgerliche Recht, jene Fragmente
welche ihnen der Recht$staat ließ. Sie bemühen sich um den Zusammenhalt
der Familie und Sippschaft, Bildung und Erziehung der Kinder. Sie tragen
Sorge um das Restwohl der Gesellschaft.
-
Sozialistisch erzogene Mitbürger bezeichnet man als "mitte Links".
Sozen pflegen die Mitgliedschaft in einer großen Gemeinschaft, deren
Interessen werden akzeptiert. Siehe künftiges Erziehungsmodell
'regionale Gesamtschule'. Es werden zur Durchsetzung gemeinsame
politische Ziele(Denkschmiede), Geld, Betriebsmittel,
Informationsaustausch samt Aktivisten organisiert. Wesentlicher Teil ist
die Demonstration der Stärke des politischen Willen welcher auch mit
Methode zum Erfolg geführt werde. Wesentlich ist die Methode jene
Mitbürger "mitte Rechts" zu bevormunden. Aktivisten "mitte Links"
verkörpern "rechts orientierte Standpunkte", um diese sozialistische
Ideale zu verleihen. Nicht von Ungefähr dienen Gewaltdemonstrationen
seitens der Sozen, jene nicht aktive "mitte Rechts" ein Gesicht zu
geben. Dieses beliebig erzeugte Gesicht "irgendwelcher Rechten" werden
seitens der linientreuen Medien als "Rechtsradikale" contra
"Linksradikale" dargestellt. Wobei sich die Genossen hinter der Hecke
ins Fäustchen lachen.
Haben wir die Sozen jemals anders gekannt?
Lernresidenz:
Warum muß man das Sozentum immer und immer wieder erklären?
--
Toni-Ketzer

Ps.:
"Es ist nicht die Aufgabe eines sozialistischen Recht$staat, irgendeine
Option auf Zukunft eines Menschen geschweige der Menschheit zu halten"
(Frau Dr. Justitia Jurismus)
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